philip wollen: von der citibank zum tierrechtler

philip wollen
philip wollen: ehemaliger vizepräsident der citibank

vom vizepräsidenten der citibank zum konsequenten tierrechtler. der philanthrop philip wollen im zweisprachigen interview mit dem veganmagazin.

du warst vizepräsident der citibank und aufsichtsrat von citicorp. wie bist du auf die idee gekommen, dort auszusteigen und dich fortan für die rechte der tiere einzusetzen?

da gab es kein besonderes schlüsselerlebnis. es war eher so, dass ich mehr und mehr einen paradigmenwechsel in meinem denken beobachten konnte.es gab zeiten da scherzte ich, dass nur der weg zum glauben oder eine frontal lobotomie einen mann dazu bringen würde seinen charakter zu ändern.
heute sage ich, dass er es kann – sobald er seinen charakter entdeckt. jeder kann sich an seine erste liebe erinnern. ich erinnere mich an meinen ersten hass: tierquälerei. und dieser hass wuchs exponentiell. meine abscheu gegenüber tierquälerei war der anfang.

»so etwas wie humane schlachtung existiert nicht«

das töten von tieren für nahrungszwecke ist grausam. punkt. so etwas wie humane schlachtung existiert nicht. wenn dir jemand etwas anderes erzählt, ist er entweder ein lügner oder ein narr. selbst wenn es nicht grausam wäre, würde ich es dennoch ablehnen, ein empfindungsfähiges wesen zu töten, das nicht sterben will.

aber es gibt weitere zwingende gründe gegen die landwirtschaftliche tierhaltung. die nutztierhaltung ist maßgeblich an der verschmutzung unserer luft, der flüsse und der ozeane beteiligt, erzeugt dort sauerstoffarme todeszonen, wo alles leben ausgelöscht wurde. sie ist verantwortlich für das waldsterben, für die verschwendung von kostbarem wasser. schädlich für die menschliche gesundheit, richtet gesundheitssysteme und volkswirtschaften zu grunde und stellt eine große gefahr für die verbreitung von zoonosen dar.

ich würde, selbst wenn es diese drohenden gefahren nicht gäbe, weiterhin die barbarei dieses moralischen bankrott-gewerbes ablehnen. tiere haben das recht in frieden zu leben, in freiheit und ohne angst – auf ihre eigene art. tiere sind mehr als eine biologische gemeinschaft. schon allein die unvorstellbare grausamkeit, die unbeschreibliche ignoranz oder die bewusste abgestumpftheit lassen die wahrheit nicht erkennen. menschen sind durchaus fähig, ein gesundes, glückliches, ethisches und freudvolles leben zu leben, ohne dabei den tyrannischen herrschaftsanspruch über die schwächeren zu besitzen. es gibt keine vernünftigen gründe dafür, tiere zu töten. es gibt nur ausreden.

wenn es etwas gibt, das ich erfahren habe wie paulus auf der straße nach damaskus, dann war das während meiner tätigkeit als banker, als ich einen riesigen industriekonzern besuchte. ich inspizierte einen ihrer geschäftsbetriebe, der sich als schlachthaus entpuppte. das war die schreckenerregendste erfahrung meines lebens und es hat mich tiefgreifend berührt. an diesem morgen habe ich die wichtigste entscheidung meines lebens getroffen, vegetarier und ein fürsprecher für soziale gerechtigkeit zu werden.

ich war aber noch kein veganer. ich wusste nicht genug. ich glaubte bei der milchwirtschaft an das idyllische, friedliche bild von grünen wiesen und kristallklaren bächen, sanft geschwungenen hügeln und an die gedichte von wordsworth und shelley. ich konnte nicht ahnen, dass hinter den wänden der milchhöfe ein brutaler, industrieller moloch steckte, ein niederträchtiger gulag der verzweiflung. ich entdeckte, dass milch fleisch in flüssiger form ist. während einer dienstreise nach indien sah ich einen milchmann, der peitschend eine kuh hinter sich zerrte. sie war durch einen unfall mit einem lkw schwer verletzt worden. um sie in bewegung zu bringen, streute er ihr chilipulver in die augen und schob scharfe gegenstände in ihren anus. er hatte ihr eine kette um den hals gelegt und zwang sie trotz ihres gebrochenen beines und schweren verletzungen an ihrer wirbelsäule zu laufen. neben ihr lief ihr dürres, hungerndes und ängstliches kalb, mit hervortretenden rippen und zitternden beinen. am tor vor dem schlachthaus band er sie los. aber bevor er dies tat, hat der bastard sie erst noch gemolken. wenn dieser anblick das herz eines mannes nicht ändern kann, dann nichts. (…)

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