ernährungsprofessor colin campbell im interview

herr prof. campbell. sie haben entdeckt, dass tierprotein krebs, koronare herzerkrankungen, multiple sklerose und adipositas begünstigt. sie nennen diese erkrankungen auch überflusskrankheiten. das bedeutet? überflusskrankheiten sind jene, die in wirtschaftlich wohlhabenderen, in der regel westlichen staaten viel verbreiteter sind als im übrigen weltdurchschnitt.

sie vergleichen den kontrast zwischen tier- und pflanzenprotein in ihrem buch »die china-study« mit einem lichtschalter. wenn der gesamte proteinbedarf durch tierprotein aufgenommen wird, steigert dies das risiko von überflusskrankheiten. die ideale menge des benötigten proteins kann durch eine vollwertige pflanzliche ernährung sehr einfach gedeckt werden. es besteht ein direkter zusammenhang zwischen einer tierproteinhaltigen ernährung und den genannten erkrankungen. tierprotein hat eine direkte auswirkung und sobald es fehlt bietet es zugleich schutz.

heißt das, dass die aussage, »tierprotein fördert schwere erkrankungen, pflanzenprotein dagegen fördert die gesundheit« wissenschaftlich abgesichert ist? eine große anzahl vielfältiger wissenschaftlicher beweise zeigt diesen effekt.

konsequenterweise müsste man doch dann von seiten der staaten jegliche förderung aller tierprotein-produkte unterbinden und pflanzenkost fördern. dem stimme ich voll zu. ein einfacher regierungsbeschluss würde zwar sicher nicht ausreichen, da ja manch andere soziale und wirtschaftliche maßnahme hier heftig aufeinanderprallten. ich glaube allerdings schon, dass es die aufgabe einer regierung ist, die wahr- heit zu sagen, außerdem die informationsverbreitung gegenüber ihren bürgern zu fördern und zu stärken, denn sie haben ein recht darauf, frei darüber zu entscheiden, welche ernäh- rung in ihrem besten interesse liegt.

gegner ihres buches »die china- study« behaupten, dass sie die erhöhte magenkrebsrate in china unerwähnt ließen und behaupten, ihre statistischen auswertungen seien reduktionistisch. die hohe magenkrebsrate – das ist die am meisten anerkannte erklärung hierfür – wird in erster linie einer infektion durch den erreger namens heliobacter pylori zugeschrieben. dieser dringt durch den verzehr von nitrat und nitrit in das magenumfeld ein. demzufolge sollte in forschungsuntersuchungen danach und nach ähnlichen faktoren »kontrolliert« werden und wenn diese auftauchen, so ist der ernährungseffekt einfach zu erkennen. eine ähnliche ernährungsbedingte erklärung existiert für andere krebsarten, die durch bakterielle und virale erreger ausgelöst werden.

in deutschland empfiehlt die eng mit der fleisch- und milchindustrie zusammenarbeitende »deutsche gesellschaft für ernährung« (dge) immer noch den täglichen konsum von fleisch und milch. wenn doch beides krebs und weitere überflusskrankheiten begünstigt und zwar nachweislich: ist das dann nicht sogar besonders fahrlässig? ich sehe keinerlei ernährungsbedingten grund für den verzehr von fleisch und milch. es sollte unbedingt erwähnt sein, dass in dem moment, wenn fleisch, fisch, milch und eier aus der ernährung herzerkrankter und diabetiker weggelassen werden, diese krankheiten sich sogar zurückentwickeln werden und zwar fortsetzend dauerhaft zurückentwickeln, solange wie man dann bei dieser ernährung bleibt.

das bedeutet ja dann, dass offizielle deutsche stellen bullshit reden und die unwahrheit verbreiten? und die gesundheit der menschen aufs spiel setzen? kein kommentar. das müssen die deutschen bürger für sich selbst entscheiden.

die dge behauptet auch »kinder brauchen eine ausgewogene ernährung, um gesund aufzuwachsen. die zellmasse muss bei kleinkindern erst aufgebaut werden, dafür sind tierische stoffe notwendig.« spricht aus ihrer einschätzung heraus etwas gegen die vegane ernährung bei kleinkindern, kindern und jugendlichen? oder sind kinder durch tier protein nicht ebenfalls gefährdet? ich kenne keinen einzigen beleg dafür, dass kleinkinder und heran- wachsende fleisch, milch, fisch oder eier für ihre gesundheit brauchen. tatsächlich sehen wir allerdings immer mehr den hinweis darauf, dass frühzeitige herzerkrankungen sogar schon bei immer jüngeren kindern auftreten, die fleisch und milch, also die typische westliche ernährung konsumieren. stattdessen haben aber kinder, die sich ausschließlich vollwertig pflanzlich ernähren eine ausgezeichnete gesund- heit. meine eigenen enkel eingeschlossen, die immer hervorragende sportler waren und jetzt mittlerweile hochschulstudenten sind.

bild-colin-campbellsie selbst waren opfer einer von reinen konzerninteressen abhängigen wissenschaftswelt. nach veröffentlichung ihrer studien konnten sie ihre karriere nicht weiter fortführen. wir finden das skandalös. hat sich der einfluss von konzerninteressen auf die wissenschaft in den vergangenen jahren verändert? ich bin kein arzt, sondern ein professor für biochemie der ernährung, die auch »biologische medizin« genannt wird. ich hielt oft vorlesungen in medizinsichen fakultäten und in meinen früheren jahren wurden medizinstudenten sehr oft dazu verpflichtet an meinen höheren kursen in ernährungs-biochemie teilzunehmen. meine karriere hat niemand gestoppt. ich hatte sehr lange den höchsten professoralen rang, mit einer unkündbaren vollprofessur und einem stiftungslehrstuhl, benannt nach einem ehemaligen präsidenten der cornell universität. ja, der konzerneinfluss auf meinem gebiet ist allerdings erheblich, einschließlich der entscheidung darüber, welcher forschungsbereich gefördert und welche art der ernährungs- und gesundheitspolitik entwickelt wird.

sicher ist es schon begrüßenswert, wenn man weniger tierprodukte ist, aber schützt »flexitarismus« wirklich vor den krankheitsgefahren? mich kümmert der terminus »flexitarismus« nicht, denn er wird viel zu oft als ausrede gegen eine vollwertige pflanzenbasierte ernährung missbraucht. ich kümmere mich ja auch nicht darum, ob ich einen »etwas kleineren« herzanfall oder »ein bisschen weniger« krebs bekomme.

wie weit hat sich in den usa denn das wissen um das tierprotein und die vorteile der veganen ernährung im sinne ihrer arbeit schon herumgesprochen? ich bin in mehrerlei hinsicht zufrieden und in der tat erstaunt über die entwicklung hin zu einer vollwertigen pflanzlichen ernährung, gerade in den letzten jahren.

was ist seine botschaft ihres neuen buches »inter-essen? wird es das buch bald auch auf deutsch geben? das buch »die china-study« fasst die wissenschaftlichen beweise, zu denen ich vor allem auch in meinem eigenen labor gekommen bin, zusammen. aus meiner sicht haben die meisten die botschaft bis jetzt noch nicht verstanden. »inter-essen« erläutert, dass es sowohl biologische als auch gesellschaftliche erklärungen für eine vegane ernährungsweise gibt. es erscheint im sommer auch in deutscher sprache.

welche ratschläge haben sie für menschen, die sich engagieren möchten und ihre gedanken weiter verbreiten wollen? einfach ausprobieren und vielleicht auch mit mehreren zusammen in einer gruppe. gut ist es, wenn klinische untersuchungen vor und nach dem experiment gemacht werden. die meisten menschen sind über ihre traditionellen vorstellungen hinaus erstaunt – wenn sie die vegane ernährungsweise korrekt anwenden, das heißt vollwertig und ohne fertigprodukte, die viel salz, zucker und fett enthalten.

mit professor campbell sprach veganmagazin-herausgeber christian vagedes.

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